Formula Student Hungary 2017

Das Event in Ungarn war für uns wie für jedes teilnehmende Team eine interessante Erfahrung, welche uns viel gelehrt hat. Nachdem das Auto ein letztes Mal auf Herz und Nieren überprüft und entscheidende Komponenten verstärkt wurden ging es den weiten Weg nach Györ.

Formula Student Hungary

In der Nacht vom 16. Auf den 17. August trafen wir ein und konnten uns über eigene Zimmer mit Betten und Kühlschrank freuen. Das Hostel, in dem wir nächtigten, befindet sich direkt auf dem Unicampus und wird von der Rennstrecke umschlossen – Monaco Style!

Der Morgen begann für uns mit dem Beziehen der Pit, welche ein geräumiges Parkhaus mit Tageslicht war. Die Anzeichen für ein frühes und erfolgreiches Scrutineering standen gut, jedoch seitens der Organisatoren ziemliche Probleme, den Zeitplan einzuhalten. Nachdem am Nachmittag das Panorama Foto auf dem Parkdeck geschossen wurde konnten wir endlich das Mechanical Scrutineering und den Tilt Test erfolgreich abschließen. Die elektrische Abnahme war zweigeteilt – den ersten Teil, der das Low Voltage System betraf, konnten wir ohne weitere Probleme abschließen. Den zweiten Teil – das High Voltage System - hingegen konnten wir am ersten Tag des Scrutineering aus zeitlichen Gründen nicht abschließen, dennoch waren wir zusammen mit dem Team aus Budapest am weitesten mit dem Scrutineering gekommen.

Am 18. August konnte relativ früh wieder angefangen werden, sodass wir bis zum Nachmittag sämtliche Sticker sammeln konnten. An diesem Tag fanden außerdem die Static Disziplinen statt, wo leider wieder der Zeitplan nicht eingehalten wurde – der Business Plan wurde, ohne dass wir darüber informiert wurden, eine halbe Stunde nach hinten verschoben und die Cost Judges überraschten uns ein gutes Stück zu früh. Parallel dazu wurde der Kurs aufgebaut, welcher schnell so manche Zweifel an dem Sicherheitskonzept der FSH aufkommen ließ. Die vorgeschlagene Strecke war ohne Auslauf- oder Überholzonen, mit mangelhafter Absicherung der Bordsteinkanten bzw. der Laternenpfähle, die die Strecke säumten und sie ermöglichte in Anbetracht der Umstände viel zu hohe Geschwindigkeiten. Die Gerade für die Acceleration Disziplin war gesäumt von Fahrradständern und ähnlichen unflexiblen Hindernissen. So kam es am Abend beim Team Briefing zu heftigsten Protesten von Seiten der Teams, da die Strecke so für die Formula Student absolut ungeeignet war.

Den Abend haben wir zusammen mit unseren Freunden aus Schweinfurt im FSH Club, der sich ebenfalls auf dem Gelände befindet, verbracht. Leider gingen wir bei der Bekanntgabe der Static Finalists leer aus, jedoch sind wir immerhin beim Business Plan knapp dran vorbeigeschrammt.

Am Samstag, dem 19. August, gingen die dynamic events los. In Anbetracht der Kritik wurde seitens der Organisatoren versprochen, die Strecke zu überarbeiten. Der Tag war geprägt von angespannter Stimmung, insbesondere nach einem Unfall von Fast Forest, bei dem der Fahrer zum Glück unversehrt geblieben ist. Wir konnten Acceleration und Skid Pad fahren, haben jedoch darauf geachtet, dass unser Fahrzeug heil bleibt. Bei der Acceleration Strecke gab es eine Bodenwelle, jedoch haben wir es den guten Reflexen unserer Fahrer zu verdanken, dass nichts Schlimmes passiert ist. Das Skid Pad war nicht wie üblich eine liegende Acht, sondern ein großer, von Laternenpfählen gesäumter Kreis mit einer kleinen Wendemöglichkeit.

Nachdem die Strecke immer noch nicht zufriedenstellend war, wurde das Angebot gemacht, die Strecke mit den Fahrern zusammen zu überarbeiten. Dies artete in den wahrscheinlich größten Track Walk der gesamten Formula Student Geschichte aus, da der ein oder andere Teamkollege natürlich auch Interesse an der Sicherheit des Kurses hatte. Was man den Organisatoren zugutehalten muss, ist, dass sie auf sämtliche Veränderungsvorschläge der Fahrer eingegangen sind und sie nach einer demokratischen Abstimmung der Anwesenden Fahrer auch umgesetzt haben. So wurde die Strecke nach und nach komplett überarbeitet, dennoch gab es einige Teams, die aus nachvollziehbaren Gründen ihre Teilnahme am Autocross und Endurance abgesagt haben.

Am Sonntag, dem 20. August, kamen einige Überraschungen. So wurde aus Zeit- und Sicherheitsgründen der Endurance abgesagt. Nur der Autocross solle gefahren werden und die erreichte Punktzahl nicht in die Gesamtwertung miteinfließen, um die Fahrer nicht auf Sieg fahren zu lassen. Zunächst wurde sogar angekündigt, gar keine Zeiten anzeigen zu wollen – diese Entscheidung wurde aber später revidiert. Außerdem hat jeder Fahrer eine Einführungsrunde zugesagt bekommen, nach der er entscheiden könne ob er fährt oder nicht. Unter diesen Voraussetzungen haben wir unseren Fahrern Flo und David unseren Wotan anvertraut.

David begann mit seiner Einführungsrunde und setzte direkt die erste Zeitfahrt oben drauf. Nach der ersten gemessenen Zeit hat er jedoch gestoppt, da die Invertertemperatur zu hoch wurde. Der Fehler wurde schnell gefunden – die Wasserpumpe war nicht richtig angesteckt – jedoch mussten wir dann warten, bis wir wieder vorne in der Schlange standen. In der Zwischenzeit haben wir den Fahrerwechsel gemacht und Flo ist direkt seine 3 ihm zustehenden Runden durchgefahren – zumindest in den Abschnitten, in denen wir ihn sehen konnten (streckenbedingt maximal 1/4tel des Kurses) fuhr er äußerst gut! Nach Flos Run hatte David aber noch eine Runde offen. Nach einiger Wartezeit konnte David seine vorerst letzte Fahrt auf einem Event antreten, da er sein Studium mittlerweile abgeschlossen hat. So wartete der Rest des Teams voller Jubel und mit Fahnen bei der Zieleinfahrt auf Ihn – mit seinen 5 Jahren bei Elefant Racing hat er sich das mehr als verdient!

Am Abend galt es nur noch die Award Ceremony zu bestreiten – ausgelassener Stimmung machten wir uns auf den Weg in die Halle und setzten uns nach hinten. Umso mehr waren wir überrascht, als wir relativ schnell auf die Bühne gerufen wurden – wir haben von allen Teams die zweitschnellste Zeit im Autocross erreicht! Dies wurde nach der Award Ceremony gebührend gefeiert, was dazu führte, dass einige Teammitglieder am darauffolgenden Tag lieber etwas später wieder aufgebrochen sind.

Die diesjährige FSH hat so einiges mit sich gebracht. Eine komplett unorganisierte Struktur seitens der Eventleitung, fehlende Transparenz, keinerlei Verständnis für die Beschwerden nach dem Event und nicht zu vergessen eine ursprünglich absolut fahrlässige Strecke. Dies ist in keinem Fall mit einem normalen Formula Student Event vergleichbar. Umso beeindruckender war es, den Zusammenhalt zwischen den Teams zu spüren und zu merken, dass wir doch alle aus dem gleichen Holz geschnitzt sind. Vereint in die Diskussion mit der Eventleitung zu gehen – in dieser Form war es einzigartig. Wir haben viele neue Freundschaften geschlossen und trotz allem viel Spaß auf dem Event gehabt. Das alles führt dazu, dass wir jetzt nicht mit bitterem Beigeschmack auf die Zeit zurückblicken, sondern vielmehr mit einem bestärkten Teamgeist und einem unbezahlbaren Erfahrungsschatz.